Valerious dela mare
Valerious dela mare

Folgende Texte wurden mir von einer sehr guten Freundin

(Frl. Pfefferminzia Blütenstaub)  

zur Verfügung gestellt!

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Fledermaus und Schokolade

 

Ich schlage mit den Flügeln und gleite aus dem Loch im Dachboden in die Nacht hinaus.

Moment. Ich? Schlage mit den Flügeln!!?

Die Stadt sieht wunderschön aus bei Nacht. Ich höre einen Kran und weiche im letzten Moment aus. Erst spät bemerke ich die Fliege vor meiner Schnauze...

Schnauze?

...und schnappe zu. Hmm... Lecker! Obwohl sie irgendwie nach Schokolade schmeckt...

Schokolade? Fliege!? Ja... sicher....

Ich fliege weiter durch die Nacht. Spüre den Wind unter meinen Flügeln. Der Lufthauch fährt sanft durch die Haare in meinem Gesicht.

Haare? Im? Gesicht?

Es ist herrlich durch das Element Luft zu schweben. Mein Element.

Wunderbar.

Die Nacht fühlt sich grandios gut an. Nacht und Fliegen. Die ultimative Freiheit. Schweben. Fern von allem was stört. Das sammelt sich da unten. Im Dreck der Stadt. Mich berührt es nicht. Ich stehe über den Dingen. Obwohl ich eigentlich schwebe. Egal. Das Wichtigste ist: Ich bin weit weg von all dem Schlechten, dass sich dort unten zusammenrottet.

Allein schon die Gewalt. Sinnloses Metzeln. Dass die Straßen noch nicht blutgetränkt und leichenübersät sind, ist eigentlich ein Wunder. Wie viele Menschen schon sterben mussten, nur weil irgendwelchen Spinnern keine überzeugenden Diskussionsbeiträge mehr einfielen und sie daraufhin auf schlagende Argumente zurückgreifen mussten.

„Ich dachte immer jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die nicht hingehen müssen.“

Erich Maria Remarque

So werden nach und nach Soldaten in sogenannte Krisenländer geschickt, um dort Zivilisten schützend zu töten und so die Demokratisierung zu unterstützen.

Alle kommen wieder nach Hause. Nur manche reisen dann im Zinksarg. Rest in Pieces.

Themenwechsel! Das wird mir hier zu stark pauschalisiert.

Diese Gewalt. Ausgehend von den Menschen. Bestimmt dazu eben diese Menschen eines Tages zu vernichten. Doch selbst wenn sie ihre eigene Gewaltneigung überleben, so sind sie dadurch gefährdet, dass sie eifrig daran arbeiten ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Die Erderwärmung wird auf absehbare Zeit ein Klima verursachen, mit dem Menschen bisher ncoh nie umgehen mussten.

Die Menschen sind die Parasiten des Planeten Erde.

Sicherlich gibt es dort unten auch Wesen, die noch immer an das Gute glauben. Sogar dafür kämpfen wollen. Ziemlich naiv eigentlich. Auch sie werden irgendwann aufwachen und erkennen, dass man gegen die Gier nichts tun kann. Niemand wird das verhasste „System“ wirklich ändern können, egal wie sehr man es auch versucht. Die Gewohnheitsliebe der Menschen wird über das Störende hinweg täuschen. Und auch wenn es faktisch bereits eine linke Mehrheit existiert, wird sich diese im schlechtesten Fall noch weiter zersplittern.

Tolle Aussicht. Danke dafür. Verkriech dich doch auf deinem dusseligen Dachboden und ertrinke im Weltschmerz.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man. Aber das eigentliche Problem steckt schon in der Aussage selbst. So mutmachend sie auch gedacht sein mag: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.

Hey! Du! Komm mal wieder runter von deinem Ego-Trip! Für eine bessere Zukunft zu streiten ist nicht hoffnungslos! Es ist der einzige Weg etwas zu ändern. Und ändern wird die Menschheit sich irgendwann schon aus Selbstschutz. Die Frage ist nämlich: Sich selbst vernichten oder aufwachen.

Eine Windböe streift mein Gesicht. Ich kneife die Augen zu und schüttele den Kopf. Irgendwie habe ich gerade das dringende Bedürfnis diese trübsinnigen Gedanken loszuwerden. Aufgeben kann schließlich auch keine Lösung sein.

Na also! Geht doch!

Am Horizont erscheint ein heller Schimmer. Ein wehmütiger Schauer überläuft mich. Vorbei, die Freiheit. Ich atme tief durch und fülle ein letztes Mal meine Lungen mit der wohltuenden Nachtluft. Dann drehe ich ab. Richtung: zu Hause. In meinem Rücken besiegt der Tag in langsamen Kampf die Nacht.

Der Tag. Sorgen. Pflichten. Stress. Ich will nicht!

Ich fliehe vor diesem grässlichen, schreckenerregenden, Wohlgefühl zerfressenden Sonnenstrahlen. Zurück in den Schutz der Dunkelheit.

Endlich erreiche ich das alte, von der Zeit gezeichnete Haus, dessen Dachboden mir als Zuflucht dient. Ich krieche hinein und hänge mich entspannt in meine Stammecke an der Decke.

Es riecht irgendwie nach Schokoladenkuchen.

Schokokuchen? Auf einem Dachboden? Meinst du nicht auch, dass du langsam ein bisschen albern wirst?

Obwohl ich eigentlich schon in die behütende Traumwelt flüchten wollte, überwältigt mich der himmlische Schokoladenduft.

Elegant lasse ich mich in Richtung Boden gleiten und folge meiner Nase. Das Ziel lautet: Kuchen.

Kuchen. Das wär' jetzt was. Jetzt wo ich so drüber nachdenke...

Ich hab Hunger!

Denke ich und wundere mich im gleichen Moment darüber. War ich nicht gerade von der Jagd zurück gekommen? Wenn ich weiterhin so viel esse, werde ich noch fett. Und dann kann ich nicht mehr fliegen. So werde ich verdammt sein, den Rest meines Lebens auf diesem stickigen Dachboden zuzubringen und mich von den Schokoladenkuchen zu ernähren, die – warum auch immer – hierhin gestellt werden. Durch die einseitige Ernährung und den ganzen Zucker bekomme ich dann am Ende noch Diabetes. Und wer gibt bitte einer Fledermaus Insulin? Das wäre doch echt ein armseliges Ende.

Eine fette Fledermaus mit Diabetes? Was hast du denn für Komplexe? Ich mein: Hallo?

Egal, sage ich mir und beiße herzhaft in den Kuchen. Schokolade. Sie erfüllt meinen Mund. Beschäftigt meine Geschmacksknospen. Ich schmecke nichts anderes mehr.

Wunderbar. Herrlich. Deliziös.

Die Schokolade verteilt sich auch in meinem Fell. Was soll's? Der Geschmack ist himmlisch. Das verklebte Fell, kriege ich schon wieder sauber. Irgendwie.

Nur eine Sache stört. Die Schokolade kitzelt. Warum kitzelt sie? Seit wann kitzelt Schokolade?

Kitzelnde Schokolade?

Plötzlich muss ich husten. Ich schlage meine Augen auf. Vor mir liegt ein zerfleddertes Kissen auf der Decke. Chaotisch drumherum drapiert: Federn. Unzählige Federn.

Ich huste wieder. Federn fliegen.

Ich reibe mir den Schlafsand aus den Augen und begreife langsam, dass es keine Schokolade ist, die mich kitzelt.

Angewidert ziehe ich mir Federn aus dem Mund.

Ich habe nicht ernsthaft in mein Kissen gebissen?

Immerhin nur im Traum. Obwohl das jetzt auch nicht so richtig beruhigend ist.

Diese Entdeckung bewegt mich zu einem Appell:

Liebe Fantasie,

schalt doch bitte mal einen Gang runter. Ich brauche meine Kissen noch. Es schläft sich sonst so unbequem. Außerdem wäre ich dir dankbar, wenn du dich für eine Stimmung entscheiden könntest, wenn du dir Träume für mich einfallen lässt. Es mag für dich ja ganz witzig sein, mich von depressivem Weltschmerz zur größten Albernheit zu treiben. Ich finde das zugegebenermaßen weniger amüsant.

Jetzt sitze ich hier in meinem Bett und weiß nicht, was ich mit diesem komischen Traum anfangen soll, Soll ich mich darüber aufregen, dass mein Feldermaus-Ich grenzenlos politisch inaktiv ist, weil es glaubt nichts verändern zu können und sich seiner Misanthropie hingibt?  In Weltschmerz versinkt und nicht mehr aufhört sich dort hinein zu steigern? Oder lieber darüber, dass es sich selber fertig macht, weil es Schokoladenkuchen isst?

Oder möchtest du mir eventuell zeigen, dass ich an der Schwelle zur Schizophrenie stehe, indem du mich mit meinem Traum-Ich Unterhaltungen führen lässt?

Diese Verwirrung gefällt dir, nicht wahr? Super. Beschäftige dich mal lieber mit deinen eigenen Problemen, bevor du mir meine vorhalten willst.

Allerdings riecht es hier schon irgendwie nach Schokoladenkuchen. Ich schlage meine Decke zurück. Das Kissen, oder das was davon übrig ist, kullert auf den Boden. Ich seufze und trete es schwungvoll unter mein Bett. Schluss jetzt mit diesem Fledermaus-Schwachsinn!

Ich öffne meine Zimmertür und folge meiner Nase. Das Ziel lautet: Kuchen.  

 

© Frl. Pfefferminzia Blütenstaub

Änderbar?

 

Wenn es mir möglich wäre

zu ändern was war

zu ändern was ist

doch änderbar ist nur was kommt

 

Und selbst diese beschränkte Möglichkeit

wird allzu stark vom Zufall beeinflusst

letztendlich sind wir auch dort

fast machtlos

 

Nur selten wissen wir wirklich

was passiert

wie der Gegenüber reagiert

 

Am Ende ist man immer klüger

doch was bringt das dann noch?

 

Wie oft hofft,

wünscht man etwas anderes getan zu haben

 

Wie oft,

ist dieser Wunsch vergeblich

absurd

 

© Fräulein Pfefferminzia Blütenstaub

Dunkelheit

 

Dunkelheit umgibt die Seele

auf das die sie annehme,

vereinigt sodann

eine Vielzahl Taten vollbringen kann.

 

Doch verweigert sich die Seele

der Dunkelheit Befehle.

Bleibt standhaft, verspricht

sich niemals abzuwenden vom Licht.

 

Doch irgendwann, so ist's Gesetz

die eiserne Hülle wird verletzt.

Dann dringt die Dunkelheit ein,

keine Seele vermag ewig zu bleiben rein.

 

Das Licht, so schmerzhaft es klingt,

zwar ewig mit dem Dunklen ringt,

doch es zu oft verliert,

letztendlich allein die Dunkelheit regiert.

 

© Fräulein Pfefferminzia Blütenstaub